Achtsamkeit für Paare

Dem Zusammenleben Tiefe geben. Achtsamkeits-Übungen haben für die Qualität einer Paarbeziehung ein grosses Potential. Viele Paare nutzen dieses Potential nicht. Achtsamkeit macht frei. Sie stärkt die Intimität. Sie versüsst den Alltag. Achtsamkeit schenkt dem Zusammenleben Tiefe. Hans Jellouschek beschreibt es so: "Im gegenwärtigen Moment ankommen, immer wieder einmal, mitten im Alltag - das gibt jeder Beziehung eine beglückende Tiefe." 

Was ist Achtsamkeit? Achtsamkeit ist ein Prozess, bei dem wir unsere Aufmerksamkeit nicht-wertend auf den gegenwärtigen Augenblick richten. Achtsamkeit nimmt wahr, was gerade ist, und nicht was sein soll. Achtsamkeit ist dadurch bejahend, annehmend und integrierend, - anderseits auch aufmerksam, nüchtern und beobachtend. 

Achtsamkeit macht frei. Indem wir Achtsamkeit üben, gehen wir auf Distanz zu uns selber, wir gehen in eine "Beobachter"-Position zu dem, was gerade geschieht. Wir bekommen Abstand zum aktuellen Geschehen. Dies vergrössert unsere Wahlmöglichkeiten: "So will ich jetzt reagieren - und nicht so". Wir lösen damit unser Verhalten aus Mustern und Gewohnheiten heraus und machen es mehr steuerbar. Es fällt Paaren leichter, sich aus Verstrickungen und "Teufelskreisen" zu lösen.

Achtsamkeits-Rituale schaffen. Indem Paare Achtsamkeits-Rituale schaffen, fällt es besonders leicht, im Alltag Achtsamkeit zu üben. Rituale schaffen Räume. Wenn Paare sich selber und individuell solche Räume schaffen, wo sie frei miteinander Zeit haben, sich achtsam begegnen, so schaffen sie dadurch Anker für Achtsamkeit im Alltag. Achtsamkeits-Rituale sind einfach zu schaffen für die Begrüssung und Verabschiedung, für Umgangsformen im täglichen Zusammensein und für Zärtlichkeiten zwischendurch.

Ein achtsames Alltagsritual

Gemeinsames Zähneputzen. Ich möchte hier ein besonderes Achtsamkeits-Ritual von einem Paar beschreiben. Die beiden putzen jeweils zusammen die Zähne, nicht im Badezimmer vor dem Spiegel, sondern im Bett. Sie sprechen sich jeweils ab: "gehen wir jetzt Zähneputzen?". Sie erzählen, dass das Zähneputzen im Liegen, nebeneinander, viel achtsamer erfolgt, wie vor dem Spiegel. Nebenbei ist diese Form des Zähneputzens besser für die Zähne, weil es so achtsamer und länger dauert, wie vor dem Spiegel.

Die Augen sind geschlossen, die Aufmerksamkeit viel stärker bei der Zahnbürste und welche Zähne sie gerade putzt. Die Partner sind in diesem Moment jeder bei sich und doch stark verbunden mit dem Anderen. Die Körper spüren die vibrierenden Bewegungen, die sich über die Matratze übertragen. Die Körper berühren sich seitlich und entspannen sich im Kontakt mit der Körperwärme. Das Paar berührt und streichelt sich mit der freien Hand. Dadurch entsteht beim gemeinsamen Zähneputzen manchmal bereits ein erotisches Feld.

Achtsamkeits-Übungen für Paare

Die untenstehenden Links führen zu verschiedenen Achtsamkeitsübungen:

Auf das Positive achten
Schwierige Situationen verstehen
Typische Konfliktmuster erkennen
Negativ-Spiralen auflösen
Wunde Punkte erforschen
Sich dem inneren Kind zuwenden
Tiefe Verletzungen verzeihen

 

Buchtipp

  • Hans Jellouschek: Achtsamkeit in der Partnerschaft. Was dem Zusammenleben Tiefe gibt. Herder 2018