Achtung: destruktive Reflexe!

Der amerikanische Paarforscher John M. Gottmann fand heraus, dass glückliche Paare, anstatt in schlechter Stimmung über Probleme zu reden, lieber bei guter Gestimmtheit nach Lösungen suchen. Und was besonders wichtig ist, sie vermeiden Vorwürfe, Rechtfertigungen, Verachtung oder Kommunikationsverweigerung. Gottmann, der über viele Jahre 7000 Paare in einem "Ehelabor" beobachtete, stellte fest: "Es gibt bestimmte Formen von Negativität, die sich, wenn Ihnen freier Lauf gelassen wird, auf eine Beziehung derart tödlich auswirken können, so dass ich sie die "vier apokalyptischen Reiter" zu nennen pflege (Gottmann 2008, s. 41 ff).

Hier die vier apokalyptischen Reiter bzw. die vier destrukivsten Reflexe:

Angriff
Der oder die Partnerin zielt nicht auf das Verhalten, sondern auf die Person und ihren Charakter und will Schuld zuweisen und verurteilen.

Verachtung
Dazu zählen vor allem nonverbale Gesten und Untertöne, wie bissiger Spott, Augenrollen, Auslachen, Hohn, Grinsen, abschätziges Kopfschütteln und jeder mimische Ausdruck negativer Gedanken. Die Person drückt aus, dass es ungelöste Probleme gibt, die sich in Wut, Drohungen, Provokationen und Streitsucht äussern.

Rechtfertigung
Hiermit versucht der eine Partner dem anderen die Schuld wieder zurückzuschieben. Rechtgertigungen lassen den Konflitkt eskalieren, da dem anderen nachgewiesen werden soll, wie dumm und ungerechtfertigt die Kritik ist.

Mauern
Hier trägt der eine Partner scheinbare Gleichgültigkeit zur Schau. Er schweigt, verlässt einfach das Zimmer, zeigt keine Gesten des Zuhörens oder wirkt wie eine reglose Wand.

Gemäss Katharina Klees, Autorin von "Traumasensible Paartherapie" (2018, s. 83) streiten sich besonders traumatisierte Paare besonders heftig. Für diese Paare ist es sehr hilfreich, zu Beginn der Beratung die vier apokalyptischen Reiter kennenzulernen. Wenn sie hier sensibilisiert werden, gelingt es ihnen immer wieder, auf Angriff, Verachtung, Rechtfertigung und Gesprächsverweigerung zu verzichten.