Liebe im Alltagsstress

Die Liebe ist wie eine Pflanze, pflegst du sie, so wächst sie.
(Buddhistische Weisheit)

Liebe? Das Wichtigste? Bei der Frage, was das Wichtigste im Leben ist, wird meist die Liebe genannt. Doch wird ihr im Alltag in der Regel nicht die entsprechende Sonderstellung eingeräumt. Alles Andere scheint dringlicher und notwendiger zu sein, als sich die Liebe zu nähren wie eine Pflanze und ihr im Alltag Aufmerksamkeit zu schenken.

Bis der Stress uns scheidet. Alltagsstress erweist sich in vielen Studien als der grösste Risikofaktor für Trennung oder Scheidung. Stress unterminiert Partnerschaften schleichend und lange Zeit unbemerkt. Häufig ist er Auslöser für die Entscheidung, eine Aussenbeziehung einzugehen. Denn Stress löst Veränderungsimpulse aus. Unter Stress werden Partner anfälliger und dünnhäutiger. So entsteht häufig das Gefühl, die Beziehung stimme nicht mehr und müsse beendet werden.

Stress ist Gift. Im Alltagsstress vernachlässigen Paare das alltägliche Pflegen der Liebe. Sie nehmen sich zu wenig Zeit füreinander, unterstützen sich weniger, werden unachtsam, ignorieren eigene Bedürfnisse und die Bedürfnisse des Geliebten. Stress macht egoistisch, intolerant und dominant. Man sieht nur noch sich, seine Bedürfnisse und verliert das Ganze aus den Augen.

 

Stress macht blind

Schleichende Gleichgültigkeit: Oft sind es die alltäglichen Stress-Banalitäten, die der Liebe die Grundlage rauben. Es ist die Kumulation von kleinen Stressereignissen über längere Zeit kombiniert mit vernachlässigter Pflege der Liebe, die die Partnerschaft ruinieren können. Sie führen zum schleichenden Zerfall einer Paarbeziehung. Man glaubt, dass die Liebe ewig halte, und dass man nichts Besonderes für sie tun müsse. Stress macht oft blind für die Bedürfnisse der Liebe. 

Erhöhter Alltagsstress durch Kinder: Alltagsstress wird mit Kindern merklich erhöht. Paare mit Kindern sind deshalb besonders stark von den negativen Wirkungen von Stress betroffen. Ein zentraler Faktor ist dabei die mangelnde Zeit füreinander und mangelnde Pflege der Liebe.

Stress als Lustkiller. Bei Frauen führt Stress häufig zu Lustlosigkeit, während bei Männern Sex oft ein Ventil sein kann, um Spannungen abzubauen. Dies führt zu Unverständnis und Konflikten. Kommen unter Stress Lust und Freuden zu kurz, kann es zum Wunsch nach Bedürfnisbefriedigung in Aussenbeziehung kommen.

Unnötigem Stress vermeiden. Häufig sind wir durch Stress belastet, der eigentlich unnötig wäre. Meist kommt er durch mangelnde Organisation, mangelnde Zusammenarbeit und zu hohe Ziele und Erwartungen zustande. Einen grossen Teil der Belastungen kann man durch einen achtsameren Umgang mit sich selbst vermeiden oder reduzieren.

Stress verstehen

Stress verschlechtert die Kommunikation. Kommunikation wird durch Stress markant verschlechtert. Eine Studie zeigt, dass Paare unter Stress um 40 Prozent negativer kommunizieren als ohne Stress. Es wird mehr negativ (gereizt, agressiv) und weniger positiv (offen, zugewandt, interessiert) kommuniziert. Ausserdem ziehen sich Partner aus der Kommunikation zurück: der gestresste Partner kapselt sich ab und sucht seine Ruhe. Der Austausch wird so oberflächlicher und unpersönlicher.

Paarinternen und -externen Stress erkennen. Es ist schon viel erreicht, wenn ein Paar versteht, wie der Stress entsteht. Dafür ist der Austausch über Stress wichtig. Je nach Stressart sind unterschiedliche Strategien im Umgang mit Stress gefragt. Es gibt paarexternen und paarinternen Stress.

Paarexterner Stress hat primär nichts mit der Partnerschaft zu tun, wie bei beruflicher Stress, Mietzinserhöhungen und gesellschaftlichen Krisen. Paarinterner Stress resultiert direkt aus der Beziehung aufgrund von unterschiedlichen Haltungen, Bedürfnissen und Zielen und den Konflikten, die daraus entstehen.

Stress abbauen: positiv kommunizieren. Damit Partner sich im Alltag sich besser unterstützt fühlen, ist es wichtig, dass sie lernen, positiv zu kommunizieren, einerseits in der Alltagskommunikation und andererseits in der Streitkommunikation.
Gespräche über Stress.

Die Alltagskommunikation bezieht sich auf den alltäglichen Umgang: Wie begrüsst man sich morgens, beim Nachhausekommen, wie verabschiedet man sich vom Partner, wenn er das Haus verlässt? Wie sind der Ton und die Gestik im Gespräch?

Die Streitkommunikation bezieht sich auf die Art und Weise wie gestritten wird. Wie die Streit-Kommunikation verbessert werden kann, darüber erfahren Sie mehr auf der Seite
Positive Gesprächskultur.

Buchtipp

Die obigen Textpassagen sind inspiriert durch folgenes Buch:
Guy Bodenmann. Bevor der Stress uns scheidet. Resilienz in der Partnerschaft. Hogrefe 2016