Stabiles Commitement

Ohne Commitment keine Partnerschaft. Der amerikanische Paar- und Sexualtherapeut David Schnarch hat das Konzept der stabilen Allianz entwickelt. Es ist sehr hilfreich bei wiederkehrenden Krisen in einer Partnerschaft. Ich benutze hier den Begriff "stabiles Commitement", der in der Paarberatungs-Literatur viel geläufiger ist. Ohne Commitment ist eine längerfristige Liebe nicht möglich. Neben der Intimität (Nähe, Verbundenheit) und der Erotik (gegenseitig Anziehung, Begehren, Zärtlichkeit, Sexualität), die "warme" Aspekte der Liebe sind, ist das Commitment ein "kühler" Aspekt der Partnerschaft.

Partnerschaft = Commitment-Training. Eine Partnerschaft ist gemäss Schnarch wie ein Trainingslager für eine stabiles Commitment. Nur ein stabiler und flexibler Selbstkontakt vermag in schwierigen Situationen ein stabiles Commitement aufrechtzuerhalten. Beziehungen, die auf einem stabilen Commitement, auf Loyalität und Integrität beruhen, bleiben deutlich länger beständig und lebendig.

Das persönlichen Wollen der Beziehung. Commitment ist eine persönlich motivierte Entscheidung, ein klares Ja zur Beziehung und zum Partner. Es ist ein Wollen aus Liebe: "Ich möchte in dieser Beziehung sein und bleiben, weil sie für mich sehr wertvoll ist und ich das Zusammenleben aus freien Stücken heraus wähle." Commitment drückt das Bedürfnis nach Beständigkeit und Langfristigkeit der Paarbeziehung aus. Wenn beide Partner nicht die gleichen Vorstellungen von Verbindlichkeit haben, dann muss ein gemeinsamer Nenner von Verbindlichkeit ausgehandelt werden.

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Was ist ein stabiles Commitment?

Die Fähigkeit zum Commitment ist stark abhängig von der Fähigkeit sich sicher zu binden. Partner mit ängstlichen, ambivalenten oder vermeidend Bindungsmustern haben es schwerer ein klares Commitment zu entwickeln. In vielen Familien entsteht nie eine stabile Allianz beruhend auf sicheren Bindungen. Das wirkt sich stark auf das Verhalten und die Gehirnentwicklung der Kinder aus. Und diese Kinder entwickeln sich häufig zu Erwachsenen, die nicht lernen, eine stabilies Commitement einzugehen. Stabile Beziehungen können über lange Zeiten gut ohne eine stabiles Commitement auskommen. Kommen Paare immer wieder in Negativspiralen oder erfahren kritische Lebensereignisse, so sind sie herausgefordert ein stabiles Commitement zu entwickeln, um Lösungen ermöglichen.

Ein stabiles Commitement beinhaltet:

  • das klare Engagement, die Partnerschaft zu wollen, das stabile Commitement aufrechtzuerhalten und gemeinsame Ziele zur Lösung von Problemen zu verfolgen
  • in schwierigen Situationen ein stabiles Selbstempfinden und die Fähigkeit zur Selbstberuhigung zu entwickeln
  • selbst dann ehrlich zu sein, wenn es persönlich von Nachteil ist oder zu Schwierigkeiten führen könnte
  • sich mit sich selbst zu konfrontieren und zuzulassen und zu vertrauen, dass der Partner einem adäquat spiegeln und verstehen kann

Gemeinsame Ziele und Werte. Ein stabiles Commitment erfordert, dass man selbst dann auf gemeinsame Ziele hinarbeitet, wenn diese Angst verursachen oder für einen selbst von Nachteil sind. Eine stabiles Commitement ist nur dann widerstandsfähig, wenn Parnter ihre Ziele und Werte klar vor Augen behalten. Durch das Beruhigen des Herzens verhindern Partner zu starke Reaktionen, wenn der Partner sein Commitement aufgibt. Partner brauchen sich dann nicht zurückzuziehen und verlieren auch nicht völlig die Fassung.

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Stabiles Commitement aufrecht erhalten

Beachten Sie die folgenden sieben Punkte zum Aufrechterhalten eines stabilen Commitments:

  • Es geht nicht hauptsächlich darum, wie Sie sich fühlen – sondern dass Sie ihre Verantwortung wahrnehmen. Die Tatsache, dass Sie stark unter Druck stehen, ist kein Grund, das Commitement aufzugeben.
  • Ihre Gefühle im Anbetracht  auch schwieriger Umstände ändern nichts daran, dass es in Ihrer Verantwortung liegt, sich selbst Halt zu geben.
  • Das Commitement zu ihrem Partner wiederherzustellen ist wichtiger, als vorherige Krisen in der Beziehung. Die Erhaltung der Partnerschaft ist wichtiger als Ihre Ängste vor dem Abbruch der Beziehung.
  • Achten Sie darauf wenn Sie Ihr Commitement aufgeben. Aus Wut zum Beispiel: "Ich habe die Nase voll dieser Beziehung". Je empfindlicher wir darauf reagieren, wenn unser Partner das Commitement aufgibt, um so eher merken wir nicht, wenn wir dies selbst tun. Der erste und wichtigste Schritt zum Wiederherstellen des Commitements, ist zu merken und erkennen, wenn wir dies tun.
  • Im Rahmen eines stabilen Commitements liegt die Verantwortung, die Sie tragen, allein bei Ihnen – sie basiert nicht auf Gegenseitigkeit. Das stabile Commitement beinhaltet, dass Sie ihren Anteil an einer wechselseitigen Verpflichtung erfüllen, auch wenn Ihr Partner seinen Anteil zeitweilig nicht erfüllt. Das Verhalten Ihres Partners entschuldigt Ihr Verhalten nicht. 
  • Eine stabiles Commitement fühlt sich nicht immer gut an. Manchmal überfordert es uns mit Konfrontation, Herausforderungen und der Weigerung, nachzugeben.
  • Das stabile Commitement bedeutet nicht, dass wir verpflichtet sind, immer dafür zu sorgen, dass es unserem Partner gut geht oder dass er sich geschützt, akzeptiert und geborgen fühlt.
  • Ihr Bemühen um eine stabiles Commitement testet Ihre Integrität. Die Stabilität Ihres Committement ist ein Spiegel Ihrer Integrität. 

Ja, eine stabiles Commitement zu entwickeln, ist eine grosser Entwicklungsschritt voller Herausforderungen.

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Buchtipp

  • Mit ganzem Herzen lieben. Commitment - wie Ihre Beziehung langfristig glücklich bleibt. Guy Bodenmann: Patmos 2021, ISBN 978 3 8436 1306 4
  • Intimität und Verlangen. Sexuelle Leidenschaft wieder wecken. David Schnarch. Klett-Cotta 2009. ISBN 978 3 6089 4662 3