Mit Haut und Haar (Ulla Hahn)

Ich zog dich aus der Senke deiner Jahre
und tauchte dich in meinen Sommer ein
ich leckte dir die Hand und Haut und Haare
und schor dir ewig mein und dein zu sein.

Du wendetest mich um. Du branntest mir dein Zeichen
mit sanftem Feuer in das dünne Fell.
Da liess ich von mir ab. Und schnell
begann ich vor mir selbst zurückzuweichen

und meinem Schwur. Anfangs blieb noch Erinnern
ein schöner Überrest der nach mir rief.
Da aber war ich schon in deinem Innern
vor mir verborgen. Du verbargest mich tief.

Bis ich ganz in dir aufgegangen war:
da spucktest du mich aus mit Haut und Haar.

Abschied

Aber du kamst nie mit dem Abend -
Ich sass im Sternenmantel.

... Wenn es an mein Herz pochte,
war es mein eigenes Herz.

Das hängt nun an jedem Türpfosten,
auch an deiner Tür;

zwischen Farren verlöschende Feuerrose
im Braun der Guirlande.

Ich färbte dir den Himmel brombeer
mit meinem Herzblut.

Aber du kamst nie mit dem Abend -
... Ich stand in goldenen Schuhen.


Else Lasker-Schüler