Konstruktive Aggression: Wie?

Ablauf des Abends: Vorstellungsrunde - Input zu Aggression - Schlagübung - Austausch in  der Gruppe - Pause - Input zu den Archetypen und Informationen zu den Intensiv-Seminaren - Meditation

Die vier Lebenskräfte des inneren Kriegers sind: Aggression, Fitness, Disziplin und Präsenz. In Bezug auf Aggression geht es für Männer häufig um die Frage, wie sie weniger grenzüberschreitend (destruktiv) aggressiv sein können und wie sie mehr mitfühlend (konstruktiv) aggressiv sein können. Viele Männer staunen sehr, wenn sie entdecken, dass es möglich ist mitfühlend aggressiv zu sein und wieviel innere Kraft dadurch frei wird.

Das Wort Aggression hat gründsätzlich eine neutrale Bedeutung. Es kommt vom lateinischen aggressiō. Das Verb "aggredī" bedeutet sich zubewegen auf etwas/jemanden, sich nähern oder  angreifen. Aggression verstehen wir in der Regel als eine feindselig angreifende Verhaltensweise. Sie ist ein biologisch in Tieren und Menschen verankertes Verhaltensmuster zur Bewältigung potenziell gefährlicher Situationen. Aber in der Körperpsychotherapie wird Aggression auch positiv verstanden als eine Form von starker Erregung, die dazu dient, Hindernisse zu beseitigen, oder Neues aus der Umwelt zugänglich zu machen. Destrukiv oder konstruktiv wird Aggression erst unter bestimmten äußeren oder inneren Bedingungen.

Wenn wir konstruktiv aggressiv sind, dann gelingt es uns mit einer impulsiven Energie oder einem kalkulierten, starken Impuls etwas kraftvoll vorwärts zu bringen. Für viele Männer ist Wort Aggression jedoch negativ besetzt. Für sie bedeutet "aggressiv sein": aus der Haut fahren, den Respekt verlieren, Grenzen überschreiten und jemanden verletzen. Aggression führt aber nur dann zu grenzüberschreitendem Verhalten, wenn jemand den inneren Kontakt zu sich und zum Gegenüber verloren hat. Aggression ist deshalb immer konstruktiv, wenn jemand mit sich und dem Gegenüber in einem mitfühlenden Kontakt ist. Da Aggression aber ein impulsives Verhaltensmuster ist, muss konstruktive Aggression in körperorientiertem Training gelernt werden.

Die Grundfrage ist: wie können wir Männer lernen, mitfühlend aggressiv zu sein - achtsam, respektvoll und zugewandt - ohne die Kraft der Aggression zu dämpfen oder zu unterdrücken. Viele Männer werden deshalb grenzüberschreitend aggressiv, weil sie sie negative Gefühle der Unsicherheit, des Verletzseins, der Beschämung oder der Hilfslosigkeit mit Aggression abspalten oder überspielen - und dann eben nicht im Kontakt mit ihren Emotionen sind. 

Aggression wird für Männer häufig deshalb destruktiv, weil sie Emotionen unterdrückt haben. Die Aggression ist dann wie ein Ventil, das Druck ablässt. Aber ebenso viele Männer unterdrücken auch ihre Aggressionen, weil sie Angst davor haben, Schaden anzurichten und weil sie nicht gelernt haben Aggressionen konstruktiv auszudrücken. Konstruktiv aggressiv sein, bedeutet in erster Linie, blitzschnell wahrzunehmen, welche Emotionen eine Situation in uns auslöst, welches Bedürfnis wir haben und mit Entschlossenheit und Durchsetzungskraft dafür zu sorgen, dass wir unsere Emotionen ausdrücken, Bedürfnisse erfüllen und unsere Ziele erreichen können.

Der Krieger im Mann, ist einer der seine Stärke, Kraft und Entschlossenheit einsetzt im Kampf für höhere Werte - mit Hingabe. Er hat unter Anleitung erfahrener Männer trainiert, hat sein Grenzen ausgetestet und kann sie gut einschätzen. Ein reifer Krieger ist ein Mann, der sein Aggressionspotential ausschöpft, ohne grenzüberschreitend zu werden. Er bringt es in Beziehungen ein, um wichtige Angelegenheiten vorwärts zu bringen. Ein loyaler Krieger ist bereit, sich in einer grösseren Gruppe sinnvollen Anweisungen unterzuordnen, um ein grösseres, gemeinsames Ziel zu erreichen.