Positive Gesprächkultur. Übungen (3)

Aktives Zuhören

Übungs-Setting

  • Verabreden Sie sich vorgängig
  • Stellen Sie eine Uhr auf oder legen Sie einen Timer bereit (Handy)
  • Machen Sie es sich bequem, sitzen Sie aufrecht
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie ungestört sind (von Telefon, Musik)
  • Partner/in A erzählt während 5 Minuten, Partner/in B hört aktiv zu. Dann wechseln. 
  • Dies wiederholen Sie in drei Runden.
  • Die Übung dauert ca. 30 Minuten

Regeln für aktives Zuhören

  • Hören Sie ihrem Gegenüber aufmerksam zu
  • Vermeiden Sie Kommentare, Fragen oder sonstige Unterbrechungen
  • Hören Sie einfach aktiv und verständnisvoll zu, reagieren Sie nonverbal
  • Sehen Sie ihr Gegenüber an und zeigen Sie liebevolle Aufmerksamkeit
  • Wenn ihr Gegenüber eine Pause macht, bleiben Sie präsent

Abschluss beim aktiven Zuhören

  • In der letzten Runde teilen Sie mit, was Sie beim Gehörten berührt hat
  • Zum Abschluss bedanken Sie sich gegenseitig für das aufmerksame Zuhören
  • Anschliessen sind beide Partner für sich und lassen die Übung wirken

Buchtipp: Sex & Achtsamkeit. Sexualität, die das ganze Leben berührt, Susanna-Sitari Rescio (2017)

Aktives Spiegeln

Übungs-Setting

  • Verabreden Sie sich vorgängig für das "Aktive Spiegeln" (ca. 30 Minuten)
  • Stellen Sie ein Uhr auf oder legen Sie ein Timer (Handy) hin, für beide sichtbar
  • Machen Sie es sich gegenüber sitzend bequem, sitzen Sie aufrecht
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie bei Ihrer Begegnung ungestört bleiben 
  • Das aktive Spiegeln kombiniert aktives Zuhören und aktives Spiegeln.
  • Partner/in A erzählt, Partner/in B wiederholt, was sie/er hört.
  • Dann werden die Rollen gewechselt, B erzählt und A wiederholt.

Zeitlicher Rahmen

  • Die Übung dauert ca. 30 Minuten
  • Während der ersten 10 Minuten erzählt Partner/in A und Partner/in B spiegelt.
  • Während 3 Minuten reflektieren beide Partner/innen aus, was sie erlebt haben.
  • Währen der zweiten 10 minuten erzählt Partner/in B und Partner/in A spiegelt
  • Während 3 Minuten reflektieren beide Partner/innen aus, was sie erlebt haben.
  • Beide Partner erklären während zwei Minuten, was gut geht, was schwierig fällt und was sie noch dazulernen möchten.

Regeln für aktives Spiegeln

  • Hören Sie Ihrer Partnerin oder ihrem Partner aufmerksam zu.
  • Vermeiden Sie beim Zuhören Kommentare, Fragen oder sonstige Einmischungen.
  • Wiederholen Sie einfach, so nahe wie möglich und so frei wie nötig, was sie gehört haben.
  • Sehen Sie den Partner an und zeigen Sie Verständnis.
  • Zeigen Sie Ihrer Partnerin oder ihrem Partner liebevolle Aufmerksamkeit

Abschluss beim aktiven Spiegeln

  • Parnter A erklärt, was gut lief und was weniger und wo sie/er sich verbessern möchte.
  • Partner B hört einfach zu und macht keinen Kommentar dazu. Dann Rollenwechsel.
  • Am Schluss bedanken Sie sich gegenseitig für das aufmerksame Zuhören und Spiegeln
  • Anschliessend sind die beiden Partner für sich und lassen die Übung auf sich wirken

Zuhören und Spiegeln

Übungs-Setting

  • Diese Übung kombiniert das aktive Zuhören mit dem aktiven Spiegeln
  • Die Übung dauert ca. 20-30 Minuten. Verabreden Sie sich vorgängig
  • Stellen Sie ein Uhr auf oder legen Sie ein Timer (Handy) hin, für beide sichtbar
  • Machen Sie es sich gegenüber sitzend bequem, sitzen Sie aufrecht
  • Partner/in A erzählt, Partner/in B wiederholt, was sie/er gehört hat.
  • Partner/in B erzählt, Partner/in A wiederholt, was sie/er gehört hat.

Positives Zuhören und Spiegeln

  • Partner/in A teilt in maximal zwei bis drei Sätzen mit, wie er/sie erlebt hat
  • Partner/in B hört der Partnerin oder dem Partner aufmerksam zu und wiederholt dann in eigenen Worten, was er/sie gehört hat, in maximal zwei bis drei Sätzen
  • Wenn Partner/in A sich nicht ganz gehört fühlt durch die Wiederholung von Partner/in B, dann sagt Partner/in A nochmals was er/sie erlebt hat und Partner/in B wiederholt dann nochmals was er/sie gehört hat.

Nach dem Wiederholen durch Partner/in B wird die Seite gewechselt.

  • Bezugnehmend auf das, was Partner/in erzählt hat, schildert Partner/in B, was sie/er erlebt hat.
  • Partner/in B erzählt. Partner/in A wiederholt.

Und dann wiederholt sich der Ablauf immer wieder von Neuem.

Abschluss von Zuhören und Spiegeln

  • Die letzen fünf Minuten der Übung wird mit demselben Ablauf erzählt, wie die beiden Partner/innen die Übung erlebt haben.
  • Am Schluss bedanken Sie sich gegenseitig für das aufmersame Zuhören und Spiegeln
  • Anschliessend sind die beiden Partner für sich und lassen die Übung auf sich wirken

Gespräche nach Konflikten

Setting Gespräch über einen Konflikt

  • Verabreden Sie nach einem Konflikt, wann Sie ihn klären möchten
  • Stellen Sie ein Uhr auf oder legen Sie ein Timer (Handy) hin, für beide sichtbar
  • Machen Sie es sich gegenüber sitzend bequem, sitzen Sie aufrecht
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie bei Ihrer Begegnung ungestört bleiben

Zeitlicher Rahmen

  • Die Klärung dauert ca. 30 Minuten.
  • Partner/in A erzählt, Partner/in B hört aktiv zu und wiederholt, was er/sie gehört hat.
  • Partner/in B erzählt, Partner/in A hört aktiv zu und wiederholt, was er/sie gehört hat.
  • Die Redezeiten von Partner/in A und B sollten jeweils etwa gleich lang sein.

Sprech-Regeln in Konfliktgesprächen

1. Reden Sie von sich: Sprechen Sie in der Ich-Form und vermeiden Sie Du-Botschaften:

  • «Es verletzt mich, wenn …» anstatt «Du bist immer so hart mit mir, …», oder :
  • «Ich habe gehört, dass …» anstatt «Du sagst schon wieder, dass …» , oder:
  • «Ich empfinde es als schwierig, wenn Du so laut wirst…» anstatt «Du hast mich angeschrien…» , oder:
  • «Mich macht es wütend, wenn Du mich so bewertest, …» anstatt «Du machst mich immer runter…».
     
  • Beschreiben Sie neutral und Bewerten Sie nicht. Sprechen Sie von konkreten Situationen oder Anlässen. Erklären Sie, was konkret Sie persönlich in einer bestimmten Situation gestört hat. Vermeiden Sie unnötige Details. Reden Sie nicht über das, was länger zurück liegt, sprechen Sie über das, was Sie im Hier und Jetzt wahrnehmen. Versuchen Sie neutral zu beschreiben, was das Beobachtete bei Ihnen auslöst. Sprechen Sie über das konkrete Verhalten, das Sie stört. Vermeiden Sie Verallgemeinerungen wie «immer» oder «nie». 
     
  • Sprechen Sie über Gefühle und nicht Gedanken. Versuchen Sie, sich emotional zu öffnen. Teilen Sie mit, was das Verhalten des Partners oder Partnerin bei Ihnen auslöst. Formulieren Sie, was in Ihnen vorgeht. Unterscheiden Sie zwischen äusserem Auslöser und ihrem inneren Reagieren darauf. Die Ursache von starken emotionalen Reaktionen liegt nicht im Aussen, sondern in uns selbst – in unseren unerfüllten Bedürfnissen. Äussern Sie Ihre Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse direkt.

Zuhör-Regeln bei Konfliktgesprächen

  • Aktives Zuhören. Hören Sie aktiv und verständnisvoll zu (nicken, mmh…). Zeigen Sie Ihr Interesse durch kurze Einwürfe oder Fragen. Sehen Sie den Partner an und zeigen Sie Verständnis. Wenden Sie sich dem Partner ganz zu und machen Sie nichts anderes.
     
  • In eigenen Worten wiederholen. Wiederholen Sie in eigenen Worten, was der Partner gesagt hat. Geben Sie ihm eine Rückmeldung und vergewissern Sie sich, ob Sie ihn richtig verstanden haben.
     
  • Stellen Sie offene Fragen. Haben Sie im Verlauf eines Gesprächs den Eindruck, dass Ihr/e Partner/in seine Gefühle oder Bedürfnisse nur indirekt äussert, dann fragen Sie gezielt nach. Wenn Sie sich nicht sicher sind, was wer fühlt und empfindet, dann fragen sie nach. Vermeiden Sie geschlossene Fragen, auf die er mit Ja oder Nein antworten kann.

Abschluss beim Gespräch über einen Konflikt

  • Teilen Sie sich mit, ob der Konflikt für Sie nun geklärt ist, oder ob es noch etwas braucht
  • Bedanken Sie sich gegenseitig für das aufmersame Zuhören und das vertrauensvolle Mitteilen

Gewaltfreie Kommunikation (GFK)

Wenn es Paaren gelingt, offen über Ihre Bedürniss zu sprechen, dann lösen sich manche Konflikte in Luft auf. Ein sehr hilfreicher Weg zur Klärung von unterschiedlichen Bedürfnissen bietet die Gewaltfreie Kommunikation (GFK). Die vier-Schritte der GFK helfen rasch Konflikte zu lösen, in dem Klarheit geschaffen wird über unterschiedliche Bedürfnisse. Immer wenn wir emotional werden, können wir davon ausgehen, dass irgendein Bedürfnis nicht erfüllt ist.

Meistens gehen wir davon aus, dass wir emotional sind, wegen einem bestimmten Verhalten des/der Partner/in. Aber das stimmt nicht. Unser/e Partner/in ist bloss der Auslöser für unsere emotionale Reaktion. Wie und wie stark wir reagieren, das ist immer unsere Sache. Die Ursache dafür, dass wir auf bestimmte Weise mit Emotionen reagieren, liegt immer in uns - nämlich in einem unerfüllten Bedürfnis. Meistens realisieren wir das aber gar nicht. Oft lassen sich Konflikte einfach lösen, in dem wir klar und konkret um das bitten, was wir geraden brauchen, weil wir spüren, welches Bedürfnis unter unseren Gefühlen liegt. 

Bedürfnisse von Partnerinnen Bedürfnisse von Partnern
   
- gute Gespräche, Offenheit und Wertschätzung - gute Gespräche, Wertschätzung ohne Vorwürfe
- mehr emotionale Nähe zum Partner - mehr Freiraum in der Beziehung
- mehr Gefühle u. Gedanken des Partners erfahren - mehr Verständnis von der Partnerin
- Zärtlichkeit und Geborgenheit - ein häufigeres und besseres Sexuallaben
- sich mehr anlehnen können - mehr Wertschätzung für geleistete Arbeit
- mehr Zeit und Initiative für die Beziehung - mehr Zeit für Freunde und Sport

Die vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation

1) Beobachtung statt Bewertung: Wenn ich höre oder wahrnehme, dass ...  
2) Gefühle statt Gedanken: dann das löst bei mir das Gefühl aus, ...  
3) Bedürfnisse statt Anklagen: weil ich eigentlich das Bedürfnis habe, ...  
4) Bitten statt Fordern: und deshalb bitte ich Dich konkret darum, ....  
     
     
Partner/in A. Partner/in B.  
     
Ehrlich ausdrücken, wie es für mich ist Mitfühlend aufnehmen und wiederholen,  
ohne zu beschuldigen oder zu kritisieren. ohne zu beschuldigen oder zu kritisieren.  
     
1) Wenn ich wahrnehme, höre oder sehe ...  1) Wenn du wahrnimmst, hörst oder siehst ...  
     
was ich sehe oder höre,   was du siehst oder du hörst,  
was ich mir vorstelle, an was ich mich  was du dir vorstellst, an was du dich  
erinnere, frei von meinen Bewertungen. erinnerst frei von deinen Bewertungen.  
(Wahrnehmung statt Bewertung) ( Wiederholung statt Interpreatation)  
     
2) dann löst das bei mir das Gefühl aus ... 2) dann löst das bei dir das Gefühl aus ...  
     
Wie ich mich fühle in Bezug zu dem wie du dich fühlst in Bezug auf das,  
was ich wahrnehme was du wahrnimmst.  
(Emotionen, Empfindungen statt Gedanken) (Mitgefühl statt Gegenreaktion)  
     
3) weil mir wichtig ist, ... 3) weil dir wichtig ist, ...  
     
Was ich brauche, möchte oder schätze Was du brauchst, möchtest oder schätzt  
in Bezug auf die ausgelösten Gefühle. in Bezug auf die ausgelösten Gefühle.  
(Bedürfnis statt Anklage) (Verständnis statt Ignorieren)  
     
4) deshalb bitte ich dich ...? 3) deshalb bittest du mich ...  
     
Die konkrete Handlung, die konkrete Handlung  
die ich mir wünsche, die du dir wünschst,  
dass du sie machst ... dass ich sie mache ...  
(Bitte statt Forderung) (Aufnehmen statt Ablehnen)  

 

Die konkrete Bitte kann abgelehnt werden - am besten mit dem vierer-Schritt:
Wenn ich deine Bitte höre ... dann löst das bei mir das Gefühl aus, dass ... und weil mir wichtig ist ... deshalb bitte ich dich, diesen anderen Vorschlag zu prüfen ...

Dann tauschen die Partnerinnen die Rollen.

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Wie Sie Konflikte verschärfen?

Der amerikanische Paarforscher John M. Gottmann fand heraus, dass glückliche Paare lieber in guter Stimmung nach Lösungen suchen anstatt in schlechter Stimmung über Probleme zu streiten.

Und, was besonders wichtig ist, diese Paare vermeiden die vier häufigen, destruktivsten Reflexe: 
Vorwürfe, Rechtfertigungen, Verachtung oder Gesprächsverweigerung. 

Gemäss Katharina Klees, Autorin von "Traumasensible Paartherapie" (2018, s. 83), streiten sich besonders Paare mit traumatischen Belastungen besonders heftig. Für diese Paare ist es sehr hilfreich, zu Beginn der Beratung die vier destruktivsten Reflexe kennenzulernen. Wenn sie hier sensibilisiert werden, gelingt es ihnen immer wieder, auf Angriff, Verachtung, Rechtfertigung und Gesprächsverweigerung zu verzichten.

Hier die vier destrukivsten Reflexe, Gottmann nennt sie die vier "apokalyptischen Reiter":

Vorwürfe
Der oder die Partnerin zielt nicht auf das Verhalten, sondern auf die Person und ihren Charakter und will Schuld zuweisen und verurteilen. Der Klassiker ist "Du bist schuld". Wenn es längere Streitsituationen sind, so sich beide die "Schuld" zuschieben, bewegen sich beide in einer Opferrolle, in der sie den eigenen Anteil nicht erkennen können. Der leichteste Ausweg ist dann folgender Satz: "Es tut mir leid, dass wir zusammen in diese Situation geraten sind".

Verachtung
Dazu zählen vor allem nonverbale Gesten und Untertöne, wie bissiger Spott, Augenrollen, Auslachen, Hohn, Grinsen, abschätziges Kopfschütteln und jeder mimische Ausdruck negativer Gedanken. Die Person drückt aus, dass es ungelöste Probleme gibt, die sich in Wut, Drohungen, Provokationen und Streitsucht äussern. Der leichteste Ausweg ist dann folgender Satz: "Es tut sehr mir leid, dass ich mich so abschätzig geäussert habe".

Rechtfertigung
Hiermit versucht der eine Partner dem anderen die Schuld wieder zurückzuschieben. Rechtfertigungen lassen den Konflikt oft eskalieren, da dem anderen nachgewiesen werden soll, wie ungerechtfertigt die Kritik ist. Hilfreich wirkt hier: "Lass uns aufhören mit dem Rechtfertigen, das bringt nichts", es tut mir leid, dass wir zusammen in diese Situation geraten sind".

Gesprächsverweigerung
Hier trägt der eine Partner eine offene Gleichgültigkeit zur Schau. Er schweigt, verlässt einfach das Zimmer, zeigt keine Gesten des Zuhörens oder wirkt wie eine reglose Wand. Man nennt dies "Mauern". Das löst oft massive Reaktionen aus. Wiederholtes "Mauern" führt logischerweise früher oder später zu kleineren und grösseren Trennungen.

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Schrittweise aussteigen aus Konflikten

Wenn ein Paar regelmässig dramatische Konflikte austrägt, dann bringen in der Regel beide Partner tiefere Verletzungen mit. Und sie geraten in heftige Konflikte, weil sie meist in schlechter Stimmung über Probleme reden. Häufig ist der Konflikt der Ausdruck von fehlendem Respekt - der andere Partner wird benutzt, um etwas abzureagieren. 

Der Konflikt ist dann eine Weigerung, den eigenen Schmerz anzuschauen oder sich mit dem Leid des Partners konstruktiv auseinanderzusetzen. Er verhindert dann Absprachen und ist ein Anzeichen für feindselige Machtausübung gegeneinander. Der Konflikt ist dann auch ein deutliches Anzeichen für eine Störung in der Beziehung, wo sich die Partner durch Schuldzuweisung, Geringschätzung und Distanzierung voreinander verbergen. Ein Konflikt hilft dann den Beteiligten, die eigenen schwierigen Gefühle nicht zuzulassen.

Ab einer gewissen Erregungsstufe während dem Streiten ist die Fähigkeit zu konstruktiven Lösungen stark eingeschränkt. Dann hilft nur noch, den Streit zu stoppen.

Es ist wichtig, dass Paare dann vereinbaren, mit den folgenden vier Schritten aus einem destruktiven Konflikt auszusteigen:

1. Aufmerksamkeit wecken: Wenn es einem Partner gelingt, den Konflikt als solchen wahrzunehmen und er ihn stoppen will, kann er/sie sagen: "Mir fällt gerade auf, dass wir unnötig streiten!"

2. Bitte um den Ausstieg: Wenn dieser erste Schritt nicht dazu führt, dass der andere Partner mit Angriffen aufhört, dann hilft vielleicht Folgendes weiter: "Bitte lass uns jetzt aufhören. Äussere deine Kritik bitte als Bedürfnis an mich."

3. Das Weggehen ankündigen: Sollte auch diese Aufforderung nicht helfen, greift der aufmerksamere Partner zur Bennung des nächsten logischen Schrittes: "Ich möchte Dich nochmals Mal bitten, dass wir das Streiten jetzt beenden. Wenn Du auf meinen Wunsch nicht reagierst, dann werde ich für 20/30 Minuten weggehen. Wir können danach nochmals reden."

4. Die Drama-Bühne verlassen: Hilft auch diese zweite Aufforderung nicht, setzt der Partner um, wozu sich das Paar entschlossen hat: "Da Du nicht reagierst, gehe ich jetzt für 20/30 Minuten weg." In dieser Auszeit hat jeder der Partner die Gelegenheit sich zu beruhigen und zu sich selbst zurückzufinden.

Wenn das Paar später wieder zusammentrifft, ist es wichtig, dem Anderen die Chance zur Klärung einzuräumen und einen späteren Zeitpunkt für ein Klärungsgespräch festzulegen. Versuchen sie den Konflikt erst dann wieder zu klären, wenn sie in ausreichend guter Stimmung sind.

 

Schrittweise Kontakt aufnehmen

Eine häufige Reaktion auf Konflikte ist der Rückzug in die Distanzierung, die sich in Schweigen, Schmollen oder "Einschnappen" äussert. Es entsteht dann wie eine unsichtbare Wand zwischen den Partnern.

In solchen Fällen empfehle ich die untenstehende Übung des "kontrollierten Einsteigs bei Rückzug".

Es ist dann wichtig, dass das Paar vereinbart, mit den folgenden vier Schritten jeweils wieder ins Gespräch einzusteigen und sich zu versöhnen.

1. Aufmerksamkeit wecken: Wenn es einem Partner gelingt, den Rückzug als solchen wahrzunehmen und er ihn stoppen will, kann er/sie sagen: "Mir fällt auf, dass wir uns irgendwie voneinander zurückgezogen haben!"

2. Bitte um den Austausch: Wenn dieser erste Schritt nicht dazu führt, dass der andere Partner den Faden aufnimmt und in den Austausch einsteigt, dann hilft vielleicht Folgendes weiter: "Bitte lass uns mit dem Rückzug aufhören. Lass uns jetzt reden!»

3. Bitte um einen Versöhnungsversuch: Sollte auch diese Aufforderung nicht helfen, greift der aufmerksamere Partner zur Benennung des nächsten logischen Schrittes: "Ich habe dein Eindruck, dass Du noch immer schmollst. Bitte lass uns jetzt einen Versöhnungsversuch wagen. Wenn Du auf meinen Wunsch nicht reagierst, dann möchte ich dass wir uns, wie vereinbart, so bald wie möglich zusammensetzen und die Situation klären. Wann sollen wir uns treffen?"  Wichtig ist, dass sich beide Partner für die Versöhnung in ausreichend guter Stimmung befinden.

4. Sich austauschen und versöhnen: Wenn beide bereit sind für den Versöhnungsversuch, dann beginnt der Aktivere mit folgendem Satz:

1) «Es tut mir leid, dass wir miteinander in diese Situation geraten sind. Für mich hat dein Verhalten das Gefühl ausgelöst, dass …. Ich verzeihe Dir. Ich möchte, dass wir uns versöhnen.»

2) Ja, mir tut es auch leid, dass wir miteinander in diese Situation geraten sind. Ich möchte auch, dass wir uns versöhnen. Für mich war es schwierig, als Du dich so und so verhalten hast. Das hat bei mir ausgelöst, dass ich mich so und so fühlte. Mein Wunsch ist, dass ich … und ich bitte Dich um das und das. Das hilft mir, mich Dir wieder zu öffnen.»


Der Rückzug ist jeweils eine Weg, den ersten Schritt aus dem eigenen Schmerz zu vermeiden oder das Leid des Partners nicht zu spüren. Der Rückzug verhindert dann Aussprachen und ist ein Anzeichen für «kalten Krieg». Das Schweigen oder Schmollen ist dann auch ein Anzeichen für das eigene «Einschnappen». Der Rückzug hilft den Beteiligten, die eigenen schwierigen Gefühle nicht wahrzunahmen oder zuzulassen.

Hier das Beispiel von einem Paar: "Manchmal haben wir am Wochenende wegen Kleinigkeiten Streit, wir sind rasch genervt und wir sprechen es dann einfach nicht an. Irgendwie entfernen wir uns dann voneinander und es entsteht eine kühle Stimmung. Wir gehen uns dann aus dem Weg. Bis wir uns wiederfinden, vergeht manchmal ein ganzer Tag. Wir machen uns so unsere gemeinsame Zeit kaputt. Wir wollen das verändern."

Versöhnungs-Ritual

Oft gibt es in Paaren wiederkehrende Konflikte um vergangene Konflikte. Es handelt sich dann in der Regel, um tiefere Verletzungen, die immer wieder hochkommen und dann weitere Konflikte auslösen. Es gibt dann "unfinished business". Besonders wenn es Aussenbeziehungen gegeben hat, gelingt es oft nicht, die Verletzung aufzuarbieten. Damit dies gelingt, braucht es in der Regel ein Ritual zur Versöhnung.

Ich empfehle ein Versöhnungs-Ritual in zehn Schritten. Zu Beginn ist es hilfreich, das Versöhnungsritual mit der Unterstützung einer Paarberatung zu machen, die das Ritual moderiert.

Einladung zur Klärung: Einer der beiden Partner teilt die Beobachtung, dass es wiederkehrende Konflikte um eine "unfinished business" gibt und bittet um ein Versöhnungsritual in Bezug darauf. Dann ist es wichtig, einen geeigneten Zeitpunkt für das Ritual zu vereinbaren.

1. Eröffnung des Versöhnungsrituals: "Bist du bereit?" Derjenige Partner, der die Initiative für das Versöhnungsritual ergriffen hat fragt: "Bist du bereit mit mir das Versöhnungsritual zu machen?". Wenn die Gegenseite noch zögert, oder noch nicht ganz bereit ist, dann kann die Bedürfnis-Frage wichtig sein: "Was brauchst Du, damit Du mit mir ins Versöhnungsritual einsteigen kannst?". Zum Einsteigen in das Versöhnungsritual kann es hilfreich sein, kurz das Umarmen bis zur Entspannung zu machen. Wenn jemand von beiden angespannt ist, ist es besser das Versöhnungsritual zu verschieben.

2. Versöhnungsschritt: "Es tut mir leid" Der-/diejenige Partner:in , der/die die Initiative für das Versöhnungsritual ergriffen, beschreibt kurz die Situation, um die es geht. Die folgende Aussage hilft dann den Versöhnungsprozess einzuleiten: "Es tut mir leid, dass wir zusammen in diese Situation gekommen sind". Es öffnet den Raum dafür, dass beide Parteien ihren Anteil am Konflikt haben. Für das Versöhnungsritual ist es wichtig, dass auch der/die Partner:in diesen Satz ausspricht: "Es tut mir auch leid, dass wir...".

3. Gegenseitiges Verständis: "Verstehst Du?"Es findet ein gemeinsamer Austausch über offene Verletzungen statt. Was ist meine Verletzung, was ist deine Verletzung? Was ist mein "unfinished business", was ist dein "unfinished business". Beide Seiten schildern je ihre Seite, ohne Diskussion. Es geht darum gegenseitiges Verständnis zu entwickeln, was da jeweils hochkommt und was der eigene Anteil ist. Es ist wichtig, dass der Auslöser klar benannt wird, der zur Verletzung gefühlt hat: z.B. Vorwürfe und negative Bewertungen. Beim Schildern der Verletzungen ist es wichtig, dies mit der Methode des Aktiven Spiegelns oder mit Zuhören und Spiegeln geschieht.

4. Eine klare Entschuldigung: mit dem Anerkennen des eigenen Anteils wird die Entschuldigung möglich: "Es tut mir leid, dass ich Dich mit meinen Vorwürfen und negativen Bewertungen so sehr verletzt habe". Es ist wichtig, dass der Auslöser der Verletzung benannt wird.

5: Bitte um Verzeihung: manchmal ist es wichtig, dass die Partei, die die tiefere Verletzung verursacht hat, klar um Verzeihung bittet: "Ich bitte Dich darum, mir zu verzeihen, ist Dir das möglich?"

6. Das konkrete Verzeihen: Mit der Bitte um Verzeihung wird dann in der Regel auch das konkrete und ausgesprochene Verzeihen möglich: "Ich verzeihe Dir, dass Du mich so verletzt hast". 

7. Bedauern ausdrücken: nach dem konkreten Verzeihen ist, kann der oder die Verzeihende vielleicht auch anerkennen, dass er oder sie durch sein Nicht-Verzeihen immer wieder Konflikte verursacht hat. "Es tut mir leid, dass ich mit meinem Groll immer wieder Konflikte verursacht habe". Wenn es chronische Konflikte aufgrund von "nachtragendem Verhalten" gab, dann ist manchmal ein Angebot zur Wiedergutmachung notwendig. "Ich würde das gerne wiedergutmachen, ich würde Dich gerne zu einem Wellness-Urlaub einladen". Manchmal ist es wichtig zu fragen: "Was wäre für Dich eine stimmige Wiedergutmachung?".

8. Ad Acta legen: Bei diesem Schritt geht es darum, die Versöhung zu verankern und sich zu verpflichten, das "unfinished business" nicht mehr aufzunehmen, weil es jetzt so ausssieht, dass es geklärt ist - weil es nun "finished" ist. Folgender Satz ist hilfreich: "Ich kann jetzt dieses Thema ruhen lassen, ich verpflichte mich dazu, Dir dieses Thema nicht mehr vorzuhalten. Wenn ich spüre, dass es wieder hochkommt, dann ergreife ich die Initiative für ein weiteres Versöhnungs-Ritual".

9. Sich gegenseitig Bedanken: Um das Versöhnungsritual abzurunden, ist es hilfreich sich gegenseitig den Dank auszusprechen. "Danke, dass Du Dir Zeit genommen hast für dieses Versöhnungsritual". "Danke, dass Du den Schritt machen konntest, mir zu verziehen". "Ich bin sehr erleichtert, dass wir das miteinander lösen konnten, ich Danke Dir." Das Ritual kann mit einer gegenseitigen Umarmung beendet werden.